Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Tim Sweeney: "Roblox wächst und frisst die Spielebranche"

Epic-Chef Sweeney warnt vor der Dominanz großer Plattformen, vor allem Roblox. Sein eigenes Fortnite sieht er weniger kritisch.
/ Peter Steinlechner
12 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Artwork von Fortnite und des Unreal Fest 2026 (Bild: Epic Games)
Artwork von Fortnite und des Unreal Fest 2026 Bild: Epic Games

Zum Abschluss der Keynote auf dem Unreal Fest 2026 in Chicago ist Epic-Chef Tim Sweeney ungewöhnlich grundsätzlich geworden. Statt über neue Grafikfunktionen oder KI-Werkzeuge sprach er über die Krise der Spielebranche – und über einen Konkurrenten, den er offenbar als größte strategische Bedrohung betrachtet: Roblox.

Sweeney verwies auf explodierende Entwicklungskosten. Immer häufiger stünden "Hunderte Millionen US-Dollar Entwicklungskosten" an Einnahmen gegenüber, die nur einen Bruchteil davon erreichten.

Gleichzeitig verändere sich das Verhalten der Spieler grundlegend. Gaming werde immer stärker zu einer sozialen Aktivität. Wer sich online mit Freunden treffe, entscheide erst danach, welches Spiel gemeinsam genutzt werde. Große Plattformen mit bestehenden Communitys hätten dadurch einen gewaltigen Vorteil gegenüber neuen Projekten.

Hinzu komme ein zweiter Trend: Spieler kauften zunehmend Gegenstände innerhalb von Spielen statt neue Spiele. Wer bereits Zeit, Geld und digitale Besitztümer in einem etablierten Ökosystem investiert habe, wechsle deutlich seltener zu neuen Angeboten. Auch das stärke die größten Plattformen immer weiter.

Vor diesem Hintergrund formulierte Sweeney eine düstere Prognose: "Eine Sicht auf die Zukunft ist, dass Roblox wächst und die Spielebranche auffrisst." Roblox sei eine zentrale Plattform mit einem einzigen Gatekeeper, habe rund 450 Millionen Nutzer und behalte mehr als 70 Prozent der Einnahmen ein. Für Entwickler sei das eine ernsthafte Herausforderung.

Fortnite ist offen – findet Sweeney

Die Aussage wirkt allerdings nicht frei von Ironie. Schließlich baut auch Epic Fortnite seit Jahren von einem Spiel zu einer Plattform aus. Konzerte, Filme, Lego-Welten, Disney-Inhalte und nutzergenerierte Spiele sollen Spieler möglichst lange im selben Ökosystem halten.

Genau darin sieht Sweeney jedoch den entscheidenden Unterschied: Epic wolle kein einzelnes geschlossenes System schaffen, sondern Inhalte, Communitys und digitale Wirtschaftssysteme zwischen verschiedenen Spielen verbinden.

Die angekündigte Unreal Engine 6 soll mehr als eine neue Grafik-Engine sein. Sie soll die technische Grundlage für ein Netzwerk verbundener Games liefern. Die Spieler sollen ihre sozialen Kontakte, Käufe und Identitäten künftig leichter zwischen verschiedenen Angeboten mitnehmen können.

Epic setzt nach Angaben von Sweeney auf offene Standards, gemeinsame Technologien und Partnerschaften mit Unternehmen wie Disney oder Lego.

Sweeneys eigentliche Botschaft lautet damit: Nicht Roblox selbst sei das Problem, sondern eine Zukunft, in der ein einzelnes Unternehmen die gesamte Spielewirtschaft kontrolliert. Ob Epics Gegenmodell am Ende tatsächlich offener wird als die Konkurrenz, dürfte allerdings eine der spannendsten Fragen der kommenden Jahre bleiben.


Relevante Themen